Was machst du da in Polen?

Was machst du da in Polen? (APA/Poln. Fremdenverkehrsamt)Foto: APA/Poln. Fremdenverkehrsamt

Studieren in Mittel- und Osteuropa ist nichts Außergewöhnliches mehr. Ein Hauch Exotik bleibt aber trotzdem.

Die Frage nach dem Warum ist eine, die Studierende, die sich für ein Auslandssemester in Osteuropa entschieden haben, lange begleitet. So auch Senta Schmatzberger: „Viele haben gemeint, ich spinne. Wollten wissen, was ich in Polen mache. Mittlerweile sind die Reaktionen positiver geworden, aber vielleicht wird das auch in Deutschland anders bewertet.“ Ein Semester hat die heute 25-Jährige in Warschau studiert, mittlerweile hat sie ihr Politikwissenschaft-Studium an der Universität Salzburg beendet und lebt in Köln.
Ein oder zwei Semester an einer polnischen Universität zu studieren, dazu haben sich im vergangenen Studienjahr rund 70 Studierende in ganz Österreich entschieden. Das sind deutlich mehr als noch vor sechs Jahren, als sich nur 21 Studenten zu einigen Monaten in Polen entschlossen hatten. Andere mittel- und osteuropäische Länder liefern ähnliches Zahlenmaterial. Zufrieden ist man an offizieller Stelle mit diesem Zuwachs allerdings noch nicht. „Wir haben bei den ost­europäischen Ländern eine kontinuierliche Steigerung, aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen“, sagt Christoph Ramoser, Leiter der Abteilung für Internationalisierung der Hochschulen im Wissenschaftsministerium.

Gut im Lebenslauf

Zum Vergleich: Rund 830 österreichische Studenten waren es, die im vergangenen Studienjahr an einer spanischen Hochschule studiert haben. Fast 20 Jahre nach dem Ende des Ostblocks haftet einem Studium in Mittel- und Osteuropa noch immer ein Hauch Exotik an. Spanien steht bei den Auslandspräferenzen österreichischer Studierender neben Großbritannien, Frankreich und Italien noch immer an oberster Stelle. „Im Lebenslauf macht sich ein osteuropäisches Land aber auf jeden Fall interessanter. Einen Bewerber zu haben, der Polnisch, Tschechisch oder Ungarisch kann, ist sicher spannender als noch jemand, der Französisch kann“, sagt Ramoser. Mit ein Grund, warum sich Studenten zunehmend für ein oder mehrere Semester in Osteuropa entscheiden. Neben fachlichem Interesse und Vertiefung der Sprachkenntnisse sind die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt ausschlaggebender Grund für die Wahl des Studienorts.
Fehlende Sprachkenntnisse dürften es aber auch sein, die viele vor einem Studium abseits der gängigen Zielländer abschrecken. Sprachliche Grundkenntnisse lassen sich in ein bis zwei Semestern allerdings leicht aneignen. Zudem bieten viele Hochschulen für ausländische Studierende auch Kurse auf Englisch an. „Ich habe während meines Auslandssemesters Sprachkurse besucht, die Vorlesungen und Seminare waren alle auf Englisch oder Deutsch“, erzählt Senta Schmatzberger.
Bei österreichischen Studierenden, die sich an eine slawische Sprache wagen, erfreut sich das Nachbarland Tschechien großer Beliebtheit. Knapp 130 Hochschüler haben dort vergangenes Studienjahr ein oder mehrere Semester verbracht. „Bei Prag, Budapest und Laibach ist es mit der Exotik nicht mehr weit her“, meint Ramoser. Vergleichsweise wenige trauen sich da noch nach Südosteuropa. „Wenn in Mazedonien sechs Österreicher studieren, ist das aber nicht wenig. Dort hatten wir jahrzehntelang überhaupt niemanden.“


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Anna Weidenholzer, Economy Printausgabe 71-03-2009, 27.03.2009 Kommentar posten


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