Bildung
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Foto: Bilderbox.comLatein ist eine Basissprache, heißt es. Der Lernende plagt sich mit den Schriften von Cäsar und Cicero ab und nimmt fürs Leben ein Verständnis für Grammatik und Wortstämme mit, das bei allen romanischen Sprachen gut zu gebrauchen ist. Wer sich dann also lebende Sprachen anstatt einer toten beibringt, hat sogleich ein bisschen Wissen darüber mitgebracht, wie sich Verben beugen und Substantive deklinieren lassen. Vom Verwenden von Fremdsprachen wie Französisch in Alltagssituationen sind viele Schüler dann immer noch weit entfernt. Weil man Sprachen eben besser lernt wie ein Kind und nicht wie in der Schule.
Seit den 1970ern werden Sprachen zunehmend gesprochen gelehrt. Sprachlabore mit Kopfhörern begannen sich durchzusetzen, Grammatik wurde etwas außen vor gelassen. Mit der Lernweise von kleinen Kindern, die, in ein neues Land gesetzt, beim Sich-Aneignen der Sprache Erwachsene weit hinter sich lassen, hat dies dennoch wenig gemein.
Als weiterhin kontroversiell gilt, warum jemand Latein lernen sollte. Weil es die analytische Denkfähigkeit trainiert, sagen die einen. Das ist wissenschaftlich nicht messbar, kontern die anderen.
Bildung im Benchmark
Bildung bringt ökonomisches Wachstum für den Staat und seine Bürger. Die Statistik spricht dazu eine klare Sprache: Länder mit höherem Bildungsniveau haben auch Bürger, die in ihren Jobs mehr verdienen. Taxifahrende Akademiker gibt es trotzdem. Dennoch, sagen Forscher, sind Leute mit Studien- und höheren Schulabschlüssen besser für wirtschaftliche Krisenzeiten gewappnet. Und wenn sie einen Job haben, verdienen sie pro zusätzlichem Ausbildungsjahr um bis zu zehn Prozent mehr. Typischerweise finden sich die höchsten solcher privaten Renditen bei Fächern wie Rechts-, Ingenieurs- und Naturwissenschaften.
Negativ auf die Statistik wirkt, dass Studien in manchen EU-Staaten äußerst lange dauern. Dann bekommt der Staat manchmal weniger zurück, als er ausgegeben hat. In einigen europäischen Ländern ist dies im Bereich Sprach- und Kulturwissenschaften der Fall, aber auch in der Informatik und
Medizin.
Von Studiengebühren werden Renditen kaum beeinträchtigt. So liegen etwa in den USA mit ihren hohen privaten Kosten für höhere Bildung die Renditen weit über jenen der EU.
Europa studiert
Europa ist recht gut gebildet. Innerhalb der letzten drei bis vier Jahrzehnte hat die junge Generation ein höheres Ausbildungsniveau als das ihrer Eltern und Großeltern erreicht, so eine Erhebung des deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Auch der Bildungsunterschied zwischen den Geschlechtern hat sich umgekehrt: Frauen haben Männer bei den Studienzahlen überholt. Der österreichische Anteil von 53 Prozent entspricht exakt dem EU-Mittel.
Anders sehen die Zahlen bei naturwissenschaftlichen Studien inklusive Mathematik und Informatik aus. Den höchsten Anteil weiblicher Studierender verzeichnet hier Portugal mit knapp 50 Prozent. Am anderen Ende der Skala finden sich die Niederlande. Hier ist nur rund ein Fünftel der Naturwissenschaftler weiblich.
Nicht allzu gut bestellt ist es auch um die Zahl der Studien- und Schulabbrecher. Diese ist zwar im Sinken begriffen, hat im europäischen Durchschnitt aber weiterhin nicht den Wunschwert von zehn Prozent erreicht. Anders in Österreich: Das duale Ausbildungssystem lässt den Wert auf unter zehn Prozent schrumpfen.
Weitere Systemschwächen wurden durch die sogenannten Pisa-Studien der OECD deutlich. So soll 2006 nahezu jeder vierte 15-Jährige in Europa nicht genau verstanden haben, was er in der Schule zu lesen bekommt. In Österreich liest rund ein Fünftel der Schüler mehr schlecht als recht. Mädchen halten sich besser als Buben. Die Statistik gerät dennoch traurig.
Kein Problem scheint das Thema für die Finnen darzustellen. Dort machen Leseschwache einen niedrigen einstelligen Prozentsatz aus. Experten vermuten, dass Untertitel im Fernsehen der Grund sein könnten. Auf diese Weise würde genaues Lesen laufend trainiert.
Verstärkte Vorschulbildung
Viele Probleme könnten nach Ansicht der Europäischen Kommission mit entsprechender Vorschulausbildung beseitigt werden. Insbesondere soll sich dadurch auch der Wissensabstand vieler Migrantenkinder beim Schuleintritt verringern lassen. Entsprechend gilt das Ziel, bis 2020 90 Prozent aller Vierjährigen in irgendeiner Art von Vorschule unterzubringen. Wie diese am besten aussehen, bleibt dem Geschmack der einzelnen Staaten überlassen.
Wenn die Kleinsten dann schon die Schulbank drücken, sollten sie am besten so schnell wie möglich eine Fremdsprache lernen. Das passiert oft zwar schon, allerdings werden dafür weniger als zehn Prozent der Zeit aufgewendet.
Der Löwenanteil der Fremdsprachenvermittlung passiert damit weiterhin in der Sekundarstufe. Dass die Grenze nach unten offen ist, zeigen autonome Gemeinschaften: Dort lernen Kinder ebenso wie im deutschsprechenden Teil Belgiens bereits ab drei Jahren eine Alternative zur Muttersprache.
Für EU-Bildungskommissar Ján Figel steht außer Zweifel, dass sich Schulen dringend zu verändern haben: „Weil wir unsere junge Generation auf Jobs vorbereiten müssen, die noch nicht einmal existieren“, erklärt Figel. Dazu zählen für ihn unter anderem die Förderung mathematischer Fähigkeiten sowie eine verbesserte Lehrerausbildung.
Einige Antworten auf Fragen der Zukunft erhoffen sich deutsche Gymnasiasten und deren Eltern wieder vom Unterrichtsfach Latein. Dort werden Teenager seit einigen Jahren wieder verstärkt in den Lateinunterricht geschickt. Die Verständigungsform der alten Römer würde vielerorts gar nicht wegen des besseren Sprachverständnisses gewählt, heißt es, sondern weil diese dabei politische Zusammenhänge besser verstehen lernen. Und weil das „Angstfach“ Französisch für manche einfach zu knifflig wurde.
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