Migrantenmedien und Integration

Migrantenmedien und Integration (das biber)Foto: das biber

Österreichweit gibt es gut 70 Immigrantenmedien. Ob diese zur Bildung von Parallelgesellschaften beitragen, oder zur besseren Integration ihrer Leser, ist nicht unumstritten. Einige davon bieten jedenfalls ein Niveau, das keine Vergleiche zu scheuen braucht.

Türkisch und Serbokroatisch stellen ein gros der verwendeten Sprachen, wodurch oft der Vorwurf der Abschottung auftaucht. Doch, wenngleich die Sprache ein wichtiger Faktor ist bei der Integration ist, so können auch „Fremdsprachen“ einen unschätzbaren Beitrag leisten. Gerade für „Neuankömmlinge“ ohne gute Deutschkenntnisse können diese Medien einen wichtigen Orientierungsdienst leisten. So empfiehlt der österreichische Integrationsfonds „möglichst frühzeitige Angebote, um Menschen mit Migrationshintergrund über das Leben, die Kultur, die Regeln und Möglichkeiten in Österreich Orientierung zu geben“. Sofern dieses Potential wahrgenommen wird, lässt sich der Aufgabe kaum besser begegnen, als in der jeweiligen Muttersprache.

Auch auf Deutsch
Schließlich gibt es auch Migrantenmedien, die auf Deutsch geschrieben werden. Sie richten sich vor allem an die zweite und dritte Immigrantengenerationen. So zum Beispiel Kosmo und Biber. Beide sprechen eine junge Lesergruppe an, erscheinen zwölf, beziehungsweise zehn Mal im Jahr und bieten eine gute Mischung aus österreichischen- und Nachrichten aus den Balkanstaaten. Die Auflage des Kosmo liegt bei circa 140,000 Stück. Das Biber-Magazin bietet kontinuierlich spannende Themen und gut recherchierte Artikel, nicht selten mit einer Portion gesunden Schmäh.

Schiefes Bild zurecht rücken
Da die Redakteure selbst einen Migrationshintergrund haben, werden Themen angesprochen, die von österreichischen Medien meist vernachlässigt werden. Migrantenmedien bieten somit eine Ergänzung zur Berichterstattung „konventioneller“ Medien. Denn einem österreichweiten Migrantenanteil von fast achtzehn Prozent, steht Schätzungen zufolge ein halbes Prozent an Redakteuren mit Migrantionshintergrund gegenüber. In der Aufhebung dieses Ungleichgewichts sieht der österreichische Integrationsfonds mitunter den „Schlüssel für die Förderung von Integration“. Wenn Migranten Teil dieser Gesellschaft werden sollen, müssen sie in den Medien auch den Platz bekommen, der ihnen zusteht, lautet die Forderung.
„Die Tatsache, dass Österreich ein Integrationsland geworden ist, ist nach Meinung von Experten an den Medien weitgehend spurlos vorübergegangen“, heißt es von Seiten des Integrationsfonds. Österreichweit bieten erst drei Printmedien („Der Standard“, „Die Presse“ und „Die Wiener Zeitung“) einen fixen Platz für Menschen mit Migrationshintergrund. Vom Teletest des ORF werden Migranten gar nicht erfasst, während die aktuelle Integrationsstudie des Innenministeriums nicht umhinkommt Michael Lohmeyer von „Die Presse“ zu zitieren:„Die Medien in Österreich beschäftigen sich eher mit den Problemen mit Immigranten statt den Problemen der Immigranten“.


Emanuel Riedmann, Economy Webartikel, 04.02.2011 Kommentar posten


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