Integrationsdiskurs in Österreich

Integrationsdiskurs in Österreich (Bilderbox.com)Foto: Bilderbox.com

Das Thema Integration zieht sich mittlerweile als „Querschnittsthema“ durch alle Ressorts durch. Die vielen Berührungspunkte mit anderen Themen erschweren es eine zielgerichtete, produktive Diskussion zu führen.

Auf „oberster Ebene“, zwischen Vertretern der Religionsgemeinschaften und politischen Entscheidungsträgern, sieht der österreichische Integrationsfonds (ÖIF) ein „ausgezeichnetes Dialogverhältnis“. Gleichzeitig wird aber das Fehlen eines regelmäßigen, breiten Meinungsaustausches bemängelt. Der bisherige Integrationsdiskurs findet zum Großteil in Abwesenheit der Betroffenen statt. Denn die größten Herausforderungen auf diesem Gebiet betreffen tendenziell die „untere“ Ebene, sozial Benachteiligte oder auch die Mittelschicht. Diese Gruppen mit einzubinden, wurde bisher weitgehend verabsäumt. So, wie der „Integrationsdiskurs“ derzeit geführt wird, ist er in Wirklichkeit ein Sammelsurium an verschiedensten, teils getrennt zu führenden Diskursen. Wirtschaftliche Integration, Asylrecht und Familiennachzug, sowie Bleiberechtsfragen müssen separat betrachtet werden, erklärte erst kürzlich wieder Alexander Van der Bellen (Grüne), selbst Migrant aus der „berüchtigten“ zweiten Generation, gegenüber „derstandard.at“ (17.11.).

Differenzierungsprobleme
Ein Grundproblem besteht darin, dass zwischen erster, zweiter oder gar dritter Einwanderergeneration bestenfalls in Randbemerkungen differenziert wird. Zwar weiß der Hausverstand, dass man keine Äpfel mit Birnen vergleichen soll. Doch die Notwendigkeit zwischen der Situation eines Neuankömmlings und eines seit 30 Jahren hier lebenden Menschen zu unterscheiden, bleibt scheinbar noch immer eine harte Nuss. Sozioökonomische Faktoren werden auffallend selten angesprochen. Stattdessen wird Integration meist mit geographischen Begrifflichkeiten abgehandelt. Doch ob ein Einwanderer auf der Baustelle arbeitet, oder als Herzchirurg, ist schon allein des unterschiedlichen Prestiges wegen ein Unterschied, der sich nicht auf die Herkunft reduzieren lässt. „Integrationswilligkeit“ auf die Nationalität der Betroffenen zurückzuführen ist zwar für jedermann verständlich, aber vielleicht gerade deswegen zu hinterfragen.
Für erfolgreiche Integration bedarf es bekanntlich zweierlei, nämlich der Wahrnehmung der Eigenverantwortung der Migranten, sowie entsprechender Angebote seitens der heimischen Politik und Gesellschaft. Dass der Integrationsprozess nur dann erfolgreich sein kann, wenn beide Seiten daran arbeiten, wird zwar vom ÖIF bestätigt, doch von den Meinungsbildern nur zaghaft kommuniziert. Es scheint, als fehle es noch am nötigen Mut, diese womöglich „unangenehme“ Botschaft der Mehrheitsgesellschaft zu überbringen.


Emanuel Riedmann, Economy Webartikel, 25.03.2011 Kommentar posten


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