Bildung
zur Startseite "Bildung"Forscherinnen fördern
Foto: Fotolia.comMehr als die Hälfte aller Studierenden in der Europäischen Union sind Frauen. Doch mit jeder weiteren Stufe auf der wissenschaftlichen Karriereleiter verringert sich deren Zahl dramatisch. Ganz oben wird die Luft dann sehr dünn, zu dünn für Forscherinnen.
Im Fachjargon wird dieses Phänomen als „Leaky Pipeline“ bezeichnet, und es tröstet nur ein klein wenig, dass das „Versickern“ von Frauen in den wissenschaftlichen Disziplinen nicht nur in Österreich gang und gäbe ist, denn schließlich geht auf diese Weise ein beträchtliches Potenzial verloren. Vor allem in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik ist der Mangel eklatant.
Die Faktenlage hat sich in den vergangenen Jahren zwar deutlich gebessert, ist aber nach wie vor alles andere als berauschend. So etwa liegt der Frauenanteil bei den ordentlichen Professuren an Universitäten in Österreich derzeit bei rund 16 Prozent. Von der von der EU in den sogenannten Frauenförderungsplänen forcierten Frauenquote von 40 Prozent (in allen Verwendungs- und Funktionsgruppen) ist man freilich noch meilenweit entfernt. Anlass zur Hoffnung gibt immerhin, dass aktuell rund 37 Prozent des anderen wissenschaftlichen Personals in der Zwischenzeit Frauen sind. Die Frauenförderpläne haben bisher unterschiedlich gegriffen. Den höchsten Frauenanteil vorzuweisen haben die Kunst-universitäten und die Wiener Universität für Veterinärmedizin, den geringsten die technischen Universitäten.
Frauenförderung
In Österreich wurde 1998 erstmals das „Hertha-Firnberg-Programm“ öffentlich präsentiert. In der ersten Ausschreibung dazu hieß es: „Die Hertha-Firnberg-Nachwuchsstellen sind als Förderungsmaßnahme ausschließlich für Frauen konzipiert mit der Zielsetzung, die wissenschaftlichen Karrierechancen des weibli-chen Nachwuchses zu verbessern. Den Nachholbedarf der Frauen auf diesem Gebiet zeigen die statistischen Zahlen zu den in der Lehre tätigen Frauen an Österreichs Universitäten.“ Das Firnberg-Programm wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung finanziert und vom „Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung“ (FWF) administriert.
Größere Karrierechancen
Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums zieht Barbara Zimmermann, Firnberg-Programmverantwortliche im FWF, ihre Bilanz: „Bei der ersten Vergabe der Hertha-Firnberg-Stellen im März 1999 wurde über eine Zahl von 50 Prozent Erst-inskribentinnen an den österreichischen Universitäten berichtet, dem stand bei den ordentlichen Professoren nur ein Frauenanteil von 4,4 Prozent gegenüber. 2006 lag der Anteil an Universitätsprofessorinnen – weiterhin zu Recht mit dem Zusatz ‚nur‘ versehen – immerhin schon bei 14,2 Prozent. Ein Förderangebot zur Erhöhung der Karrierechancen junger weiblicher Postdocs ist damit auch zehn Jahre später noch notwendig. Und wenn sich der Zeitfaktor in der Progression dieser Statistik vielleicht auch noch erhöht, dann – und nichts anderes ist der Zweck eines guten Zielgruppen-Förderprogramms – rationalisiert sich die ‚Frauenförderung‘ wohl irgendwann einmal selbst weg.“
Insgesamt wurden bisher 420 Firnberg-Projekte beim FWF eingebracht. 189 (45 Prozent) davon stammten aus dem Bereich Medizin und Biologie, 151 Anträge (36 Prozent) kamen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften und 80 (19 Prozent) waren naturwissenschaftlich-technische Projekte. 108 Firnberg-Stellen wurden bis Ende des Jahres 2007 bewilligt und auch angetreten. Dazu kommen nunmehr fünf weitere, die im Juni 2008 bewilligt wurden.
Seit Herbst 2005 gibt es zusätzlich zum Firnberg- auch noch das Elise-Richter-Programm, das gleichsam eine Art „Anschlussprogramm“ darstellt. Zimmermann: „Das Elise-Richter-Programm, das höchst flexibel gestaltbar ist, ist konzipiert für Forscherinnen, deren Karrieren oftmals etwas ‚anders‘ verlaufen als bei Männern. Naturgemäß sind für diesen ‚anderen‘ Verlauf auch Kinder ein Grund, aber Karriere und Familie sind vereinbar. Immerhin wurden in den zehn Jahren Hertha Firnberg insgesamt 30 ‚Laufzeit-Kinder‘ geboren. Für viele Fragen wurden Lösungen gesucht: Vielleicht ist es gerade das Frauennetzwerk der Geförderten und ein wenig auch der Förderer, die die Forscherinnen zum Weitermachen ermutigen. Und Ermutigungen haben oftmals großartige Früchte getragen: von zusätzlichen Gel-dern durch Projektanträge über einen gewagten Wiedereinstieg nach kurzer Karenzzeit bis hin zu bedeutenden Wissenschaftspreisen.“
Lebendiger Dialog
Beide Programme kennzeichnet ein lebendiger Dialog mit den betroffenen Wissenschaftlerinnen. Ein eigenes Dialog-forum und jährlich stattfindende Workshops, bei welchen jeweils ein Abend für ein Zusammentreffen mit Vertreterinnen des FWF reserviert ist, sorgen für regelmäßigen Input. „Auf diese Weise erfährt der FWF direkt von den Bedürfnissen der Forscherinnen“, so Zimmermann.
Massive Unterstützung erfahren die Wissenschaftlerinnen nunmehr auch auf inneruniversitärer Ebene. So hat man sich im April dieses Jahres hierzulande darauf geeinigt, dass im Universitätsgesetz eine Frauenquote von 40 Prozent in allen zu nominierenden Gremien festgeschrieben wird. Damit müssen etwa Uni-Räte, Berufungs- und Habilitationskommissionen gesetzlich verpflichtend zu mindestens 40 Prozent mit Frauen besetzt werden. Gremien, die dem nicht entsprechen, gelten als nicht gesetzeskonform zusammengesetzt. Ausnahmen soll es nur geben, wenn der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen an der jeweiligen Universität bestätigt, dass eine Erfüllung der Quote unmöglich ist. Nicht unmittelbar gilt die Quote allerdings bei der Berufung von Professoren. Hier hofft man allerdings, dass durch den 40-prozentigen Frauenanteil in den Berufungskommissionen ein Umdenken stattfindet.
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